💻 Webseite
Viele LabVIEW-Anwendungen entstehen in Unternehmen aus einem sehr pragmatischen Ansatz heraus: Ein Entwickler baut eine Lösung für einen Prüfstand, eine Maschine oder ein Messsystem – und sie funktioniert. Oft sogar über viele Jahre hinweg zuverlässig.
Doch genau hier liegt auch die Herausforderung. Sobald Änderungen notwendig werden oder der ursprüngliche Entwickler nicht mehr im Unternehmen ist, zeigt sich häufig, dass Wissen, Struktur und gemeinsame Standards fehlen.
Die entscheidende Frage lautet daher: Wie professionell geht ein Unternehmen mit seinem Entwicklungstool und seinen Softwareteams um? Genau hier setzt das Konzept der Proficiency an.
#1 Das Wichtigste in Kürze
- Proficiency beschreibt den professionellen Umgang mit Entwicklungswerkzeugen, Standards und Teamprozessen.
- In LabVIEW entstehen häufig autodidaktische Einzellösungen, die langfristig schwer wartbar sind.
- Fehlende Standards führen zu Abhängigkeiten von einzelnen Entwicklern und unnötig langen Entwicklungszeiten.
- Proficiency Alignment Workshops helfen, Teams auf gemeinsame Frameworks, Coding Guidelines und Prozesse auszurichten.
- Durch klare Standards und Zusammenarbeit steigt langfristig Wiederverwendbarkeit, Wartbarkeit und Entwicklungsgeschwindigkeit.
#2 Wenn Softwareentwicklung von „Local Heroes“ abhängt
LabVIEW ist eine sehr intuitive grafische Entwicklungsumgebung. Genau diese Stärke führt in vielen Unternehmen zu einem typischen Muster: Einzelne Entwickler werden zu sogenannten „Local Heroes“.
Sie entwickeln eigenständig Applikationen für:
- Prüfstände
- Maschinen
- Messsysteme
- Laborauswertungen
Oft entstehen diese Lösungen im Rahmen von Projekten oder sogar Abschlussarbeiten. Sie funktionieren zuverlässig und werden über Jahre genutzt.
Das Problem entsteht später: Wenn Anpassungen nötig werden und der ursprüngliche Entwickler nicht mehr verfügbar ist, fehlt häufig das Wissen über Architektur, Struktur und Designentscheidungen.
Die Folge:
Neue Entwickler müssen sich mühsam einarbeiten – oder beginnen im schlimmsten Fall komplett von vorne.
#3 Warum fehlende Standards die Entwicklung verlangsamen
Ein weiteres typisches Muster zeigt sich in vielen Unternehmen: Obwohl mehrere Teams ähnliche Aufgaben lösen, arbeiten sie völlig unabhängig voneinander.
Beispiele dafür sind:
- Entwicklungsabteilungen
- Produktionsbereiche
- End-of-Line-Testsysteme
Oft nutzen alle LabVIEW – und entwickeln sogar sehr ähnliche Applikationen. Trotzdem findet kaum Austausch statt.
Die Konsequenzen sind klar:
- Funktionen werden immer wieder neu entwickelt
- ähnliche Messungen werden mehrfach implementiert
- Entwicklungszeiten bleiben konstant hoch
- Wissen bleibt in einzelnen Teams isoliert
Gleichzeitig entsteht eine kritische Abhängigkeit von einzelnen Entwicklern. Fällt eine Person aus, steht im schlimmsten Fall die Weiterentwicklung einer Maschine oder eines Prüfstands still.
#4 Warum Alignment im Team häufig scheitert
Viele Teamleiter oder Testmanager erkennen dieses Problem früh. Sie möchten Standards einführen, Coding Guidelines definieren oder gemeinsame Frameworks etablieren.
Doch der Versuch, Entwickler zusammenzubringen, endet häufig ohne Ergebnis.
Typische Aussagen sind dann:
- „Das funktioniert bei uns nicht.“
- „Unsere Applikationen sind zu speziell.“
- „Mit LabVIEW geht das so nicht.“
Hinzu kommt ein weiteres Problem:
Dem Testmanager fehlt häufig das tiefe technische LabVIEW-Know-how, um diese Argumente fachlich zu entkräften.
Genau hier setzen strukturierte Proficiency Alignment Workshops an.
#5 Der erste Schritt: Transparenz über das vorhandene Know-how
Der Einstieg beginnt nicht mit einem Workshop, sondern mit einer Bestandsaufnahme.
Dafür werden zunächst alle Mitarbeitenden identifiziert, die im Unternehmen mit LabVIEW arbeiten – abteilungsübergreifend.
In einem gemeinsamen Webcall wird zunächst erklärt:
- warum der Prozess gestartet wird
- welche Ziele verfolgt werden
- wie der Ablauf aussieht
Danach folgen Einzelinterviews mit allen Beteiligten.
Diese Gespräche dauern meist zwischen 15 und 30 Minuten und klären zentrale Fragen:
- Auf welchem LabVIEW-Level arbeitet die Person?
- Welche Art von Applikationen entwickelt sie?
- Welche Anforderungen müssen diese erfüllen?
- Welche Herausforderungen gibt es im Alltag?
Durch diese Interviews entsteht ein klares Bild über:
- die Proficiency im Unternehmen
- vorhandene Unterschiede in Arbeitsweisen
- gemeinsame Herausforderungen
#6 Der Alignment Workshop: Gemeinsamkeiten sichtbar machen
Auf Basis der Interviews folgt der zentrale Schritt: ein gemeinsamer Workshop.
Da die Teilnehmenden bereits zuvor im Einzelgespräch involviert waren, entsteht meist eine deutlich offenere Atmosphäre. Statt Skepsis gibt es bereits Vertrauen in den Prozess.
Im Workshop werden zunächst die Ergebnisse visualisiert:
- Welche Arten von Applikationen existieren?
- Wer arbeitet an welchen Systemen?
- Welche Methoden werden genutzt?
Anschließend wird nach gemeinsamen Strukturen gesucht.
Fast jede LabVIEW-Applikation enthält ähnliche Zustände, zum Beispiel:
- Initialisierung
- Messung
- Benutzerinteraktion
- Warten auf Eingaben
- Datenspeicherung
- Fehlerzustände
- Stop-Zustände
Diese gemeinsamen Elemente werden gemeinsam diskutiert und häufig in einem State-Machine-Diagramm festgehalten.
Wichtig dabei:
Der Fokus liegt auf einer möglichst schlanken gemeinsamen Struktur.
#7 Ein Framework, das wirklich genutzt wird
Ein häufiger Fehler in solchen Initiativen ist übermäßige Komplexität.
Wenn ein Framework zu umfangreich ist, nutzen Entwickler es nicht. Sie löschen große Teile oder beginnen erneut bei Null.
Deshalb gilt eine wichtige Regel:
Lieber weniger als mehr definieren.
Das Ziel ist ein schlankes Startprojekt – ein Framework, das sowohl für einfache Sensoranbindungen als auch für komplexere Systeme genutzt werden kann.
#8 Coding Guidelines als gemeinsame Sprache
Parallel zum Framework werden Coding Guidelines definiert.
Diese betreffen unter anderem:
- Struktur der Applikationen
- Gestaltung der Icons
- Farbdefinitionen
- Namenskonventionen
- Versionsstand von LabVIEW
- Wiederverwendbare Submodule
Diese Standards schaffen eine gemeinsame Grundlage für alle Entwickler.
Das Ergebnis:
Code wird verständlicher, wartbarer und einfacher über Teams hinweg nutzbar.
#9 Verantwortung verteilen statt nur diskutieren
Ein entscheidender Erfolgsfaktor solcher Workshops ist die anschließende Umsetzung.
Dafür werden konkrete Aufgaben im Team verteilt:
- Entwicklung des Frameworks
- Überprüfung und Validierung
- Dokumentation der Coding Guidelines
- Erstellung von Symbol- und Farblegenden
- Bereitstellung im gemeinsamen Repository
Jeder Beteiligte übernimmt eine kleine Verantwortung.
Nach drei bis vier Monaten folgt ein gemeinsamer Review-Termin, bei dem die Fortschritte präsentiert werden.
#10 Fazit: Proficiency entsteht durch Zusammenarbeit und Struktur
LabVIEW Proficiency entsteht nicht allein durch technische Fähigkeiten. Sie entsteht durch gemeinsame Standards, strukturierte Zusammenarbeit und kontinuierlichen Austausch.
Unternehmen, die diesen Weg gehen, profitieren langfristig von:
- stabileren Applikationen
- geringerer Abhängigkeit von einzelnen Entwicklern
- kürzeren Entwicklungszeiten
- höherer Wiederverwendbarkeit von Softwaremodulen
Der erste Schritt ist dabei oft überraschend einfach: Transparenz schaffen, Menschen zusammenbringen und gemeinsam definieren, wie gute LabVIEW-Entwicklung im eigenen Unternehmen aussehen soll.

#TheYellowShoes
Mein Name ist Prof. Dr. Markus Haid und als Digitalisierungsexperte begleite ich Unternehmen auf Ihrem Weg in die Digitalisierung.
Kommen Sie gerne auf mich zu und vereinbaren ein erstes kostenloses Beratungsgespäch: https://markushaid.onepage.me/funnel
Lassen Sie uns vernetzen:
TheYellowShoes @ Social Media
Sie finden die gelben Schuhe auch auf weiteren Social Media Kanälen. Lass Sie uns doch auch dort in Verbindung bleiben:




